Muss Ostern 2020 abgesagt werden?

Geistliches Wort in der Corona-Zeit

Mindestabstand von 2 Metern halten, Mund-Nase-Maske tragen, Stay home, gesperrte Sport- und Spielplätze, Verzicht auf Besuche bei Verwandten und Freunden, Homeoffice, social distancing.  Es fehlt so viel in dieser Zeit; die Sehnsucht nach Normalität und Gemeinschaft ist groß. Statt Gottesdienste Offene Kirche. Wenigstens das! Eine Kerze anzünden, stille Gebete, hin und wieder ein kurzes Gespräch. Ich bin jetzt oft auch mitten in der Woche in der Kirche. Eigentlich hätten in diesen Wochen die Konfirmationsgottesdienste sein sollen; eigentlich hätten wir in großer Runde im Altarraum gestanden und das Abendmahl gefeiert. Jetzt stehe ich hier und zünde die Kerzen an. Und ich spüre, wie sehr mir das fehlt: die Nähe, die Gemeinschaft.  

Aus einem Brief zu Ostern: „Ich vermisse Euch. Eure Gesichter. Eure Stimmen. Ich vermisse es, Euch in den Arm nehmen zu können, wenn mir danach ist. Ich vermisse es, Euch die Hand zu reichen oder Eure Hand eine Weile zu halten. Ich vermisse es, die eine oder andere Schulter beiläufig oder liebevoll zu berühren. Ich vermisse die kurzen oder längeren Begegnungen. Ich vermisse den Austausch.“

Am Ende dieses Monats feiern wir Pfingsten, eines der großen Feste im Kirchenjahr. Allerdings, jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, ob es einen Gottesdienst hier geben wird. Und überhaupt: Mit Pfingsten haben wir uns immer schwer getan. Pfingsten – das ist die Erinnerung an den Heiligen Geist. Ausgießung des Geistes, Geisterfahrung – das ist so schwer greifbar, begreifbar. Im Johannesevangelium verspricht Jesus seinen Jüngern zum Abschied, dass er trotz allem ihnen nahe bleiben wird; der Heilige Geist, der Tröster wird bei ihnen sein. Er überwindet die Distanz, er stärkt sie. 

Der zitierte Osterbrief ist für mich so eine Erfahrung des Heiligen Geistes. Da denkt einer an mich. Das tut mir gut. Ich spüre eine Verbundenheit. Ein gutes Wort, ein Telefonanruf, eine E-Mail, ein Brief, Nachbarn, die sich helfen – konkrete Erfahrungen des Heiligen Geistes. Möge Gott uns das spüren lassen: „Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.“ (Evangelisches Gesangbuch 170) 

Pfarrer Jörg-Martin Höner

Gebet

Gott,  

lass uns deinen guten und tröstenden Geist erfahren, 

dass er unsere Geduld und Hoffnung stärke. 

Lass uns in Kraft und Liebe und Besonnenheit 

miteinander diese Zeit bestehen. 

Lass uns Wege finden, 

trotz Abstand einander nahe zu sein. 

Amen.